Unser G - Wurf ist geboren. 21.03.20 Alle Neune - nun sind sie da (inzwischen schon 10 Tage alt) und halten uns mächtig auf Trab. Immer wieder stellte ich verwundert fest, dass andere Züchter es schaffen, die statistische Quote von etwas mehr als 50 % männlicher Nachkommen und entsprechend etwas weniger als 50 % weiblicher welpen zu erfüllen. Wir können das nicht! Im F-Wurf nur Hündinnen, im E-Wurf nur Rüden und in den den 4 Würfen davor gab es auch bei 21 Rüden nur 16 Schwestern dazu. So waren wir gar nicht erstaunt, als die Geburt begann: Rüde, Rüde, Rüde, dann kamen die drei Hündinnen und zum Abschluss wieder Rüde, Rüde, Rüde. Aber - was soll ich sagen - jeder einzelne wunderschön und uns herzlich willkommen! Die Mutterhündin Shania macht, was sie auch schon bei ihrem letzten Wurf machte. Sie kümmert sich hingebungsvoll um die Zwerge und nimmt sich zwischendurch, wenn es ihr in der Wurfkiste zu warm wird, ein Erfrischungspause auf den kühleren Fliesen. Dieser Hund, der sonst eigentlich alles und jederzeit gern frisst, mutiert nun zur Diva. "Trockenfutter??? Wie kommst du darauf, dass ich das fressen würde?!" "Pansen mit Hüttenkäse? Hatten wir doch erst gestern." "Banane als Zwischenmahlzeit? Also ich bitte dich, lass dir mal was besseres einfallen!" Ja und was macht man? Man bemüht sich. Ersinnt immer neue "Gerichte" für Madame, um sie bei Laune zu halten, denn die Milch muss fließen. Bloß nicht riskieren, dass die Versorgung ins Stocken gerät. Ganz anderes sind ihre Babys. Mama ist wieder da und schon startet die Schlacht am Buffet. Jeder rangelt um den ergiebigsten Platz und es ist viel Betrieb, müssen sie doch zwischendurch immer mal wieder schauen, ob der Nachbar nicht doch eine noch ergiebigere Quelle aufgetan hat. Noch sind die Augen und die Ohren geschlossen, aber bald wird noch mehr Leben in der Wurfkiste sein. Mrs. Weasley als Oma der Schar zeigt kein sonderlich großes Interesse an den Vorgängen in der Kiste. Ganz anderes Willy als Vater. Regelmäßig, fast stündlich schaut er vorbei und vergewissert sich, dass es seinem Nachwuchs gut geht. Er beteiligt sich sogar an der Pflege und leckt kugelrunde satte Babybäuche. Für uns ist es das erste Mal, dass der Vater die Aufzucht seiner Welpen miterlebt und wir stehen staunend daneben und fragen uns nicht mehr, ob er weiß, dass es sein Nachwuchs ist. Uns reicht, was wir sehen. Diese ersten 4 Wochen, in denen rund um die Uhr einer von uns bei den Welpen in der Kiste sitzt, ist immer eine etwas seltsame Zeit. Man fühlt sich abgeschottet und isoliert, ganz so, als wäre man allein in einer sehr kleinen Welt. Jetzt zwingt der Corona-Virus nicht nur uns, sondern große Teile der Bevölkerung in die Isolation. Keiner weiß, wie lange die Situation anhalten wird, ob sie sich entschärfen oder zuspitzen wird. Wir werden uns bemühen, alle, die vielleicht einem dieser Wonneproppen demnächst eine neue Heimat geben möchten, mit diesem Welpentagebuch auf dem Laufenden zu halten und mithilfe des Telefons und whatsapp an dem Wachsen und Werden teilhaben zu lassen.


22.03.20 Heute habe ich zum ersten Mal bei den Welpen eine Maniküre durchgeführt. 9 Welpen mit je vier Pfoten - jeweils 18 Krallen pro Hund - macht summa summarum 162 Krallen. Aber bei den Zwergen ist das kein Problem, das schafft jede Babynagelschere. In einem Jahr sieht das schon anders aus, da geben sogar die meisten Krallenscheren auf. Langsam aber sicher werden sie immer quirliger.heute stand Shania etwas zögerlich vor der Wurfkiste und zögerte noch hineinzugehen. Die Kleinen wurden inzwischen unruhig und wackelten blindlings auf sie zu und drei purzelten direkt aus der Wurfkiste heraus. Und was macht meine Diva? Fiept kurz, tritt einen Schritt zur Seite, ganz nach dem Motto: "Jetzt heb sie da mal ganz fix wieder rein!"

23.03.20 Jetzt sind sie schon fast zwei Wochen alt und Augen und Ohren beginnen sich zu öffnen. Ganz schmale Schlitze geben schon Ahnung frei auf die die kleinen blauen dahinterliegenden Augen. Und man kann tatsächlich schon von Gehen sprechen, wenn sie sich auf ihre kleinen dicken Stampferbeine stemmen und zu Shania rüberschwanken. Es ist eine schöne Zeit, die nun beginnt. Noch mehr als vorher sieht man jetzt jeden Tag, wie die Entwicklung voranschreitet. Die Persönlichkeit beginnt sich zu entwickeln - einfach spannend.

25.03.20 Heute haben wir unseren zweiten gemeinsamen Ausflug gemacht. Unser Verein sieht vor, dass große Würfe (mit mehr als 8 Welpen) in den ersten Lebenstagen und dann noch mal in der 2. bis 3. Lebenswoche tierärztlich untersucht werden. Demzufolge haben wir die Zwerge alle in eine Transportbox gepackt und sind mit ihnen und Shania zu unserer Tierärztin gefahren. Sie ist sehr zufrieden mit der Entwicklung der Kleinen und hat nichts zu beanstanden. Die Zwerge waren nicht ganz so zufrieden. Gerade Klabauter mit dem dunkelblauen Bändchen hat seinem Unmut lautstark Ausdruck gegeben. Temperatur messen, Herztöne abhören, ins Mäulchen schauen, Muskeltonus überprüfen, etc. das machte ihm nicht so sehr viel Spaß. So weit, so gut. Dann sind wir wieder nach Hause gefahren und hatten in den nächsten Stunden friedlich schlummernde Zwerge in der Wurfkiste. Das war schon alles recht aufregend für sie. Wir konnten die Zeit indes gut nutzen, um eine neue Waschmaschine zu kaufen. Unsere "Hunde-Waschmaschine", also für die Wäsche der Hunde, hat gestern ihren Geist aufgegeben. In normalen Zeiten hat sie nicht so furchtbar viel zu tun, aber wenn wir Welpen haben, dann verlangen wir ihr wirklich viel ab. Dann können es schon mal über die ersten Wochen 4 Maschinenfüllungen täglich sein. Und da hat sie dann eben jetzt aufgegeben. Doch Dank des Internets soll schon bis zum Wochenende Ersatz da sein.

26.03.20 Zum Glück hat sich Shanias Appetit inzwischen verändert. Sie verlangt zwar immer noch nach viel Abwechslung und Trockenfutter nimmt sie nur im äußersten Notfall und dann mit langen Zähnen und selbstverständlich nur, wenn es noch mit diversen Leckereien garniert ist. Aber wir brauchen uns nicht mehr zu sorgen, dass sie zuwenig frisst und in Folge nicht genug Milch bilden kann. Nein, ihr Appetit ist beeindruckend. Über den Tag verteilt sind das gut und gerne 4 Kilo Fleisch, ein wenig Trockenfutter, Äpfel, Bananen, Hüttenkäse und so manches Häppchen zwischendurch. So werden wir wohl alle gemeinsam mehr als wohlgenährt durch die selbstauferlegte Quarantäne kommen. Die Welpen werden immer beweglicher. Wenn Shania nach einer Erholungs- oder Futterpause wieder in die Wurfkiste steigen möchte, kommen sie alle an den Eingang gewackelt. Dann traut sie sich nicht hinein, könnte ihr doch wohmöglich einer unter die Füße geraten. Sie wartet bis einer von uns hineingestiegen ist, die Zwerge zur Seite sortiert hat und so den Weg für sie freigeräumt hat. Dann kommt auch sie in die Welpenkiste, dreht sich ein- zweimal und legt sich hin. Was darauf folgt, ist wirklich ein Schauspiel. "Die Mama wird gestürmt", da wird übereinandergestolpert, untereinanderdurchgetaucht, es kann nicht schnell genug gehen. Wehe dem, der den Anschluss erpasst hat. Der schreit ganz kläglich als ginge es jetzt wirklich in den nächsten zwei Minuten ums nackte Überleben! Haben dann alle ihren Platz gefunden, kann nicht mehr von einem genüsslichen Schmatzen die Rede sein. Es ist eine laute und schnelle "Fress-Orgie". Innerhalb weniger Minuten ist der Spuk vorbei und es kehrt Ruhe ein. Sie rollen von der Zitze weg, rund und satt. Man hört ab und zu ein kleines Schmatzen oder ein zufriedenes Grunzen und es wird still. Die selige Ruhe der Satten! Ich sitze daneben, glückselig und froh, dass ich an diesem Wunder teilhaben darf.

28.03.20 Jetzt kann ich langsam entspannen. Mich hat nicht vor einigen Wochen die "Hamsterwut" überfallen, ich befürchte nicht, demnächst kein Toilettenpapier zu bekommen. Doch es gibt bzw. gab einen Bereich, in dem ich Sorge hatte, die Versorgungskette könnte zusammenbrechen. Aber heute kam die 2. Lieferung mit Trockenfutter, die neue "Hundewaschmaschine" wurde geliefert und Loretta und Hartmut (danke nochmal) hatte ich von meiner Sorge erzählt und sie schickten ein liebevoll gepacktes Care-Paket mit etwas Frostfleisch für die Hunde und Cola und Schokolade für uns. Ach herrlich, nun kann ich mich entspannt zurücklehnen und brauch mich nicht mehr zu sorgen, dass die Hunde hungern müssen. Die nächsten Monate sind gesichert, selbst wenn es bei meinem Fleischlieferanten zum Engpass kommen sollte. Nur das Welpenspielzeug, das ich bestellt habe, wird wohl noch auf sich warten lassen. Ich hatte nicht darauf geachtet, dass es aus China kommt. Die Zwerge scheinen stündlich aktiver zu werden und so haben wir heute zum ersten Mal ein wenig zugefüttert, ganz wenig, 30 Gramm für alle zusammen. Ich hätte es gern gefilmt, doch sie waren so schnell damit fertig, dass das nicht möglich war. Sie fangen an, sich gegenseitig bewusst wahrzunehmen, kauen mal an einem fremden Ohr oder versuchen auch tatsächlich schon mal einen Hüpfer nach vorn zu machen. Da bleibt es dann aber tatsächlich beim Versuch, der Po hebt sich an und der ganze Hund fällt vornüber. Ein kurzer Satz noch in eigener Sache: Normalerweise bin ich in Rechtschreibung recht gut, doch wenn ich dieses Welpentagebuch schreibe, ist es meistens zwischen 23 und 2 Uhr, da fällt mir manches doch etwas schwerer als gewöhnlich, wozu der Schlafmangel seit dem 9.3. sein Übriges tut. Ich bitte um Nachsicht und hoffe, dass sich zumindest der Sinn noch erschließt. 30.03.20 Die Zähne kommen so langsam. In den letzten Tagen haben sie, wann immer sie Gelegenheit dazu hatten, gern auf etwas rumgekaut, meinem Finger zum Beispiel. Noch immer schlafen sie viel, was ja auch altersentsprechend ist, doch sie werden viel schneller wach als noch vor einigen Tagen. Da konnte es passieren, dass einer vielleicht weiterschläft und gar nicht mitbekommen hat, dass Shania in die Wurfkiste gestiegen ist. Das passiert inzwischen nicht mehr. Sie nehmen immer mehr wahr und das auch noch viel schneller. Auch ihre Lautäußerungen variieren immer mehr. Da gibt es das Schmatzen, das Grunzen, das entrüstete Aufbellen, das Fiepen, das "Hier-ist-nix los"-Bellen, das Knurren und noch einiges mehr. Sie möchten kuscheln, toben (oder, was sie in dem Rahmen ihrer Möglichkeiten, dafür halten), dem anderen zeigen, wie groß und stark sie schon sind usw. So können wir schon jetz anfangen zu beobachten, wie unterschiedlich ihre Charaktere sind. Wie ist die Reaktion, wenn ein Welpe einfach über einen anderen hinwegkrabbelt. Wird das stoisch ertragen oder kommt da ein "Grrr"? Wie ist die Reaktion, wenn ich einen Welpen auf den Rücken drehe? Ist er beim Fressen/Säugen beharrlich und lässt sich nicht abdrängen? BRraucht er ständigen Körperkontakt zu Mama oder den Geschwistern oder liegt er auch gern mal abseits und liebt seine Ruhe? Und wenn ein Hundekind eine solche Verhaltensweise immer wieder zeigt, lässt das schon einige Rückschlüsse zu und erleichtert es, zu entscheiden, welcher Zwerg zu welcher Familie am besten passt.